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Ungewöhnliche ReisePhil Speakman hatte eine ungewöhnliche erste Fahrt auf seinem neuesten klassischen Motorrad. Vom 'Arsch der Welt' bis zur anderen Seite des Landes an einem der kältesten Tage des Jahres - kurz gesagt: Unterkühlung für Anfänger ... 'Wie buchstabiert man das?' 'S-L-E-A-F' 'Ach ja, jetzt hab ich es gefunden. Von diesem Bahnhof habe ich nie gehört. Nach 25 Jahren (am Bahnschalter) dachte ich eigentlich alle zu kennen. Wo soll das sein?' 'Ungefähr 15 Meilen südlich von Lincoln. Ich brauche eine Fahrkarte für morgen. Aber nur die Hinfahrt, ich komme nicht zurück.' 'Oh?' 'Nein, ich meine - hmm ja - ich hoffe ich werden zurückkommen, aber auf einem alten Motorrad, das ich gekauft habe.' 'Verstehe, das macht 31 Pfund.' 9 Uhr am nächsten Morgen sprang ich in den ersten der 4 möglichen Züge an diesem Tag und machte mich auf den Weg, um mein neues Spielzeug abzuholen. Das Wetter war klar, es war sonnig und bitterkalt. Ich hatte ein tragbares Radio, den Telegraph (Zeitung) und eine Ausgabe des Buches 'One Man Caravan (Ein Mann Karawane)' von Robert Fulton um mir die 5 Stunden Fahrzeit zu vertreiben. Ich mag Bahnfahren aber nur, wenn es ruhig ist und keine rücksichtlosen Leute mitfahren. Laute Mitfahrer, die nur rumfluchen ohne sich darum zu kümmern wer das alles mithören muss vermiesen mir die Laune. Glücklicherweise waren an diesem Tag alle Mitreisenden so ruhig, höflich und entgegenkommend wie ich es auch bin. Wäre das nur immer so. Um 14:00 Uhr erreichte ich den Zielbahnhof und nach einem kurzen Fussweg stand ich vor meinem neuen Motorrad einer MZ ETS 250 von 1971 in rot/scharzer Optik. Sie hat den gleichen Motor wie meine ES 250/2, allerdings eine leichtere Frontpartie mit Telegabel anstelle der schweren, touren-orientierten Schwingengabel. Das reduzierte Gewicht bringt eine schwindelerregende Höchstgeschwindigkeit von 82 mp/h und verleiht dem Bike ein sportliches Handling. Der Tank unterstützt das sportliche Auftreten, was über den enormen Nutzen des 5 Gallonen fassenden Tanks hinwegtäuscht. Ja, Du hast richtig gelesen FÜNF Gallonen! Nachdem der Papierkram erledigt war und ich die Maschine nochmal in Augenschein genommen hatte wickelte ich mich mit allem ein was ich hatte, um der bitteren Kälte zu trotzen. Ich wünschte mir, ich hätte meine Lederhose eingepackt. Aber es nutzte nun auch nichts über eine undichte Telegabel zu klagen - meine Jeans, lange Unterhosen und eine wasserdichte Regenhose mussten reichen. Als ich auf der Strasse nach Newark war fuhr ich die erste Tankstelle an und tankte erstmal mit 1:30 Gemisch voll. Leider musste ich die wasserdichten Hosen ausziehen, da sie mich beim Fahren enorm behinderten. So verliess mich der Windschutz für meine Beine und ich wusste, dass ich das früher oder später bereuen würde. Ein paar Meilen weiter war ich etwas besorgt, weil die Maschine nur 60-65 mp/h schaffte. Der Klang war super, sie beschleunigte auch und der Motor kam gut auf Touren aber sie lief nicht so schnell wie sie eigentlich sollte. Die Erklärung kam nach einiger Zeit von selbst, als ich an einem Militär-Flugplatz vorbeifuhr. Dort stand ein Windsack (Windmesser, der anhand der Grösse mindestens für eine Geschwindigkeit von 30-40 Knoten ausgelegt war). Gegen den war der 15-Knoten-Windsack auf dem Flughafen bei mir zu Hause ein Zwerg. Dieser Windsack zeigte genau in meine Richtung und stand absolut horizontal in der Luft. Das Leistungsproblem war damit erklärt. Ich hatte 40 mp/h Gegenwind! Dieser Wind hatte eine Mission, eine Berufung. Er würde weder aufhören noch vor seinem alleinigen Ehrgeiz abrücken, all meine Körperwärme auszusaugen und in der Lincolnshire Landschaft zu zerstreuen. Ich war erst sein 45 Minuten unterwegs. Mir war so kalt, dass mir der Gedanke kam, der Weg nach Hause wäre möglicherweise keine erreichbare bzw. kluge Zielstellung. Mental bewältigte ich die scheinbar nicht zu schaffenden 150 Meilen nach Hause durch das Aufteilen in kleine erreichbare Abschnitte. Während ich mir geistig zurededete konnte ich meinen Körper kaum noch spüren. Der erste Meilenstein war von Newark nach Mansfield zu gelangen und anschliessend die M1 (Autobahn) zu überqueren. Danach - das werde ich sehen wenn ich dort bin (wenn ich es schaffe). Ständig dachte ich an die Zeit und die frühere Dämmerung im Dezember. Aber ich würde nicht eher anhalten bis es wirklich dunkel war. Ich jagte die orangene Sonne und meine Zähne begannen zu klappern. Ich legte Meile für Meile zurück so fuhr so schnell wie ich und die Maschine konnten. Mein Motivation war, einen möglichst grossen der Teil der Strecke bei Tageslicht zu schaffen. Um so weniger musste bei Dunkelheit fahren und um so geringer war die Wahrscheinlichkeit irgendwo auf einer ungestreuten Strasse in Derbyshire unerwarted auf Glatteis zu stossen. Mansfield in Richtung Chesterfield zu durchfahren schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, doch plötzlich war ich raus aus dem Ballungsgebiet. Ich fuhr in die Berge und ein einziger Wegweiser Richtung Manchester weckte neuen Lebensgeist in mir. Als ich immer höher in die Derbyshire Berge erst auf der A619 und dann auf der A623 Richtung nordwest durch Chapel en le Firth fuhr, war die Kälte tief in mich eingedrungen. Ich musste dringend pinkeln, aber ich wollte nicht anhalten und noch mehr Wärme verlieren. Ich bis die Zähne zusammen und verkniff es mir weiter, wobei die Beine zu kreuzen ja nicht möglich war. Den Sonnenuntergang vor Augen wurde mir klar, dass meine Reise zu einem zweischneidigen Schwert geworden war. Mit der Zeit kam ich immer weiter Richtung Heimat, allerdings verschlimmerte sich auch die betäubende Unterkühlung unter der ich zu leiden hatte. In Stoney Middleton und wieder in Peak Forest wich die Taubheit in meinen Händen einem Schmerz bei dem sich der Magen zusammenzieht. Durch meine ungeschickte Brems- und Kupplungsbetätigung kam wärmeres Blut in meine Finger. Durch 10 Jahre berufliche Arbeit mit der Kettensäge habe ich zittrige Finger und das war in dieser Situation keinesfalls hilfreich - das kannst Du mir glauben. (nicht sicher, ob das korrekt übersetzt ist. Vielleicht fehlt ihm auch ein Finger) Als es dunkel war, konnte ich einfach nicht sicher weiterfahren und ich musste anhalten. Ich schaffte es noch bis zum 'Dog and Partidge' an der Kreuzung A6 und B5470 ungefähr 15 Meilen südlich von Stockport. (Pub = Gaststätte: 'Dog and Partridge' = 'Hund und Rebhuhn'). Trotz der Kälte kam mein Vertrauen wieder einmal zurück. Ich wusste, wenn ich durchhalten würde wie bisher konnte ich die Reise schaffen. Ich parkte die Maschine vor dem Pub, schaltete den exzellenten 6-Volt-Scheinwerfer und die Zündung aus und schaffte es schliesslich, den Benzinhahn zu schliessen. Vom Motorrad abzusteigen war weder ein graziöser noch ein schöner Anblick für den zufälligen Beobachter und ich war dankbar, dass ich nicht beobachtet wurde. Auf halbem Weg zwischen Maschine und Eingang des Pubs blieb ich stehen und begann unkontrolliert über die Lächerlichkeit meiner Situation zu kichern. Ich lief wie Steve McQueen im Film Papillion nachdem ihm die Gefängniswärter die Beine zerhauen hatten. Ich konnte aber auch Roddy McDowell im Planet der Affen darstellen. Unter Anstrengung und sichtbaren Schmerzen streckte ich die Beine und versuchte zumindest wie ein Mensch auszusehen als ich in die glückseelige Wärme der Bar eintrat. 'Bekomme ich bei Ihnen noch etwas zu Essen?' 'Ja, da ist die Speisekarte und die Tagesangebote stehen auf der Tafel.' 'Wunderbar, ein Pint (ca. 0,5l) Everards Tiger (Bier), bitte.' Als ich versuchte, das Bier und mein Essen zu bezahlen sah mich der Gastwirt verwundert an. Ich versuchte die Münzen mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand aus der Handfläche meiner linken Hand zu greifen. Beide Hände zitterten einige Zentimeter hin und her und das sah schliesslich für uns beide etwas komisch aus. 'Es tut mir leid, mir ist so kalt, dass einige Körperteile nicht mehr richtig funktionieren.' 'Geh und stell Dich vor das Feuer. Da hat niemand was dagegen.' 'Haben Sie etwas dagegen, wenn ich ein bisschen schreie?' 'Sei mein Gast' 'Danke' Nachdem sich der Schmerz in meinen Händen gelindert hatte, wurden meine Kniehe vom Folterknüppel heimgesucht. Nach 15 Minuten vor dem lodernden Kohlefeuer fingen meine Zähne überraschenderweise wieder an zu Zittern. Hallo, wo seid ihr die letzte Stunde gewesen oder habt ihr geschmollt? Das Glas Bier war wunderbar genau wie die riesigen Schweine-Lauch-Würste in einem noch riesigeren Yorkshire Pudding mit Bratensosse (naja, die englische Küche). Das Essen teilte ich mir mit Tina, dem wirtschaftlichsten Hund den ich jemals getroffen habe (sie wackelte nur einmal mit dem Schwanz, wenn Blickontakt hergestellt war). Danach gab es noch einen Nachtisch mit Vanillesosse (genaue Übersetzung nicht möglich). Nach einer Stunde fühlte ich mich warm genug um weiter zu fahren. Es war eine der schwersten Entscheidungen für mich, diesen Pub zu verlassen. Nun war es ein Rennen, die 40 Meilen nach Hause zu fahren, bevor ich wieder ausgekühlt war und in den Status einer leichten Unterkühlung fallen würde. Ich fuhr bergab durch Hazel Grove nach Stockport und die Luft wurde etwas wärmer. Nur meine Beine behielten dieses Gefühl 'uncomfortably numb' = unbequem taub (wäre ein guter Titel für einen Song = Anspielung auf den Song 'confortably numb' von Pink Floyd). Auf der M60 und der M56 lag ich flach auf dem Tank und fuhr Vollgas schaffte aber wegen einer rutschenden Kupplung nicht mehr als 75 mp/h. Ich hoffe das die Ursache für da Rutschen nur verschlissene Beläge sind, was bei diesem Motorrad nicht ungewöhnlich ist, da der erste Gang sehr hoch übersetzt ist und man beim Anfahren die Kupplung lange schleifen lassen muss. Es könnte aber auch sein, dass die Kupplung auf dem Konus der Kurbelwelle rutscht - aber das hoffe ich nicht (Ich denke, da wird er Glück haben, denn wenn die Kupplung vom Konus gerutscht ist kann man auch keine 75 mph mehr fahren). Das zu Untersuchen war eine Aufgabe für den Weihnachtsurlaub. 40 Minuten später bockte ich die Maschine vor meinem Haus auf. Zitternd, müde aber siegreich. Es waren nur 150 Meilen und 5,5 Stunden von Tür zu Tür. Die Entscheidung meine Bekleidung der Bahnfahrt und nicht der Motorradtour anzupassen hat diese Reise jedoch in eine heldenhafte Schlacht zwischen meiner Willenskraft und den kleinen Waffen aus dem grausamen Waffenlager des Winters verwandelt. Ich schob die Maschine in die Garage und liess mir ein Bad ein. Danach versuchte ich die eingangenen SMS von neugierigen MZ-Freunden zu beantworten. Bei ersten Versuch eine SMS zu tippen gab ich das ganze auf und liess mich lieber in das glückseelig heisse Wasser sinken. 'Zum Teufel, wenn sie wissen wollen was passiert ist, dann sollen die Ärsche doch anrufen!' Ring ring, ring ring Oder sollte das heissen "Ring... ding...ding... ding... ding... ding... ding... |