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[ Die Solo ETS 250 ]

 

Der Anfang meiner ETS Geschichte beginnt eigentlich bei [ Yamaha ], um genauer zu sein, beim Modell [ XZ 550 ]. Diese wurde uns vor ein paar Jahren von einem freundlichen Arbeitskollegen geschenkt, weil sie ansonsten in den Shredder gekommen wäre. Wir fackelten nicht lange und nahmen das Geschenk dankbar an. Da die XZ 550 im allgemeinen leider die Angewohnheit hat, Ihren Besitzer immer wieder mit neuen [ Defekten ] zu überraschen, wurde sie soweit es geht, immer wieder instand gesetzt, bis sie eines Tages dann doch einmal fehlerfrei lief. Dies ist aber eine andere Geschichte und genau hier beginnt die Geschichte mit der ETS. Da mir zu diesem Zeitpunkt ein wenig Langweilig in Bezug auf  Schrauberei war, musste ein neues Objekt her. Als Eckpunkte hatte ich mir vorgestellt: 

[

Alt

Billig

Ehemaliges Brot- und Butter Mopped

Geschunden im Alltag

Ohne jeglichen Hang zum Kultstatus

Gute Ersatzteilversorgung

]

 

Nun traten schon die ersten Probleme auf, denn „Billig“ und „Alt“ passt in den meisten Fällen nicht zusammen. Also beschränkte ich meine Suche vorzugsweise auf „Ostobjekte“. Hierzu passten auch hervorragend die anderen Eckpunkte „Brot- und Butter“, „Geschunden“ und ohne „Kultstatus“ zu. Zu diesem Zeitpunkt waren mir nicht sehr viele Ostmoppeds bekannt und ich ging etwas blauäugig an die Sache. Apropos Blau, das einzige Ostmopped was mir zu diesem Zeitpunkt im Gedächtnis hänge geblieben war und welches ich irgendwann einmal bei einem [ Ostberlin-Besuch ] gesehen hatte, war ein himmelblau lackiertes „Etwas“ mit sehr merkwürdiger Form, Aussehen und sehr viel Metall. Wie sich sehr viel später herausstellte, schwebte mir eine [ ES 250/2 ] im Kopf herum. Mit diesem Willen gewappnet machte ich mich auf die Suche, welche sich sowohl über Zeitschriftenstudium, als auch – ausgerüstet mit Hightechequipment – über das Internet erstreckte. Bei [ ebay ] schien ich schließlich den ersehnten Markt gefunden zu haben, den ich suchte. Das Angebot an [ Motorrädern ] sowie [ Ersatzteilen ] von MZ war riesig, die Preise günstig.

 

Eines schönen Tages fiel mir dann eine Auktion auf, wo das Objekt der Begierde in unmittelbarer Nähe meines [ Wohnortes ] stand. Der Auktionstext war allerdings nicht sehr aussagekräftig, noch nicht einmal ein Foto war abgebildet.

 

Grob umrissen hatte ich folgende Informationen:

 

[

MZ Oldtimer (ohne Baujahr)

250 ccm

 17.218 km Laufleistung

Diverse Vorbesitzer

Vorabbesichtigung erwünscht

Telefonnummer

]

 

Also kontaktierte ich den Besitzer, welcher sich als KFZ-Meister mit eigenem Betrieb in [ Haan ] entpuppen sollte. Am Telefon konnte oder wollte er  mir keine näheren Auskünfte zum Motorrad machen, ich solle halt einfach mal vorbeikommen und mir die MZ anschauen, die Nachfrage sei riesig und er wirkte in der Tat ein wenig entnervt. Also ab nach Haan zur Besichtigung. Vor Ort traf ich zu meinem Erschrecken keine ES 250/2 vor, sondern eine MZ, welche so hässlich war, das sie schon wieder schön wirkte. Beim Besuch war der KFZ-Meister dann doch ein wenig redseliger und erzählte mir, die MZ sei eigentlich nur bei ihm, weil ein Kunde seine KFZ-Reparatur nicht hatte zahlen können und die ETS quasi als Pfand fungieren sollte. Jahre später sei dem KFZ-Meister dann die Erkenntnis gekommen, das aus der Zahlung der KFZ-Reparatur mit harter Währung wohl nichts mehr werde, deshalb die Auktion bei [ ebay ]. Er nannte mir dann noch [ Stückzahlen ] der hergestellten ETS, machte mich erneut darauf aufmerksam, das die Nachfrage an seiner Auktion enorm sei „...sogar aus dem Osten rufen die Leute hier an“ und erklärte mir bereitwillig alles, was er über die ETS wusste. Klang irgendwie alles nachvollziehbar. Die ETS wurde meinerseits etwas näher in Augenschein genommen, ein Probelauf fand statt, ein [ Kaufvertrag ] wurde gefertigt und flugs wechselten 300 DM und eine ETS den Besitzer. Freundlicherweise übernahm der Verkäufer dann auch noch den Transport der Maschine zu mir nach Hause. Zu Hause angekommen musste ich natürlich erst einmal die neue Errungenschaft meiner [ Frau ] vorführen "...oh Gott, doch nicht so eine stinkende, qualmende Zonenfeile mit Eierquetschertank“ waren ihre Worte. Offensichtlich kannte sie diese MZ, zu einer anderen Einschätzung ihrer Worte möchte ich mich hier und jetzt nicht verleiten lassen. Und obwohl sie bestimmt davon überzeugt war, das ich nicht mehr Herr meiner Sinne war, trug sie es mit Fassung.

 

Mit dem KFZ-Meister hatte die

ETS insgesamt sieben Besitzer, ich

bin somit der Achte. Tag der Erst-

zulassung war der 27. April 1973, er-

worben beim Neckermann Versand

KGaA Hamburg.

Letztmalig vorübergehend stillgelegt wurde

die ETS am 11.Februar 1980, nachdem sie

im Zeitraum zw. ´73 & ´80 bereits jeweils

5 mal stillgelegt und wieder zugelassen

wurde. Die letzte HU beim TÜV war im

April 1977 fällig.

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, das der KFZ Brief wohl

mehr Zeit auf Straßenverkehrsämtern zugebracht hat,

als in der heimischen Schublade.

 

Von ihrem jetzigen Lebensalter von insgesamt etwas über [ 31 Jahren ]

war die ETS zusammengefasst genau [ 4 Jahre und 1 Monat ]

in 6 verschiedenen Kreisen und / oder Kommunen zugelassen.

In dieser Zeit schaffte sie eine Laufleistung von [ 17.218 km ].

 

 

 

Und da stand sie nun.

Der Import dieses 73er Neckermann Modells erfolgte aus Haan / Rheinland, ungefähr 10 km von meinem Wohnort entfernt Der Transport erfolgte freundlicherweise und problemlos durch den Vorbesitzer mittels eines VW Bulli T3.

Die mittlerweile mal wieder laufende XZ 550 versteckte sich verschämt neben dem Neuerwerb.

 
 

 

 

 

 

Dem ersten Augenschein nach schien sie weitestgehend komplett zu sein, die Vergaserabdeckung lag lose bei, die Tankpads fehlten und die Lackierung sowie der Spiegel entsprachen wohl eher nicht der 73er Ausgangsbasis. Sogar die Hauskatze wurde neugierig auf die Neuanschaffung.

 
 
 

Für mich aus dieser Perspektive die schönste Ansicht der ETS, wären da nur nicht der pickelige Vorbau und die diversen Einschlagbeulen im Tank. Aber was noch nicht schön ist,

kann ja durchaus noch sehr schön werden.

 
 
   

 
 

 

 

Auch ein schöner Rücken kann entzücken! Die letzte mitgenommene Sozia muss einbeinig gewesen sein, die Sitzbank und das Werkzeugfach wirken ein wenig schief. Das Foto entstand vor dem Probelauf, während oder danach hätte man aus dieser Perspektive und der nahen Entfernung zum Auspuff nicht wirklich sehr viel erkennen können.

Ferner hätten Kamera und Fotograf durch die austretenden Zweitakt-nebelschwaden doch sehr gelitten.

 
 
 

Die Lenkung hatte in den fast drei Jahrzehnten schwer gelitten und kannte nur noch drei Stellungen.

Links, ungefähr geradeaus und rechts. Dazwischen nur noch ein Nirwana, welches sich nur mit beherztem reißen am Lenker überwinden ließ. Aber der Tausch der Lenkkopflager und –schalen machte mir Dank umfangreicher Erfahrungen auf diesem Gebiet mit der XZ 550 keine wirklich großen Sorgen.

 
 
 

Wieder ein Zeichen der Zeit, verrottete Stoßdämpfer, poröser Kettenschutz, gammeliger Auspuff und ein offenes Rahmenheck.

Gehört da nicht was rein?

Wenn schon keine Gepäckbrücke, dann doch wenigstens Blindstopfen?!

 

 
 

.

 

 

Einer der diversen Vorbesitzer muss ein begnadeter Elektriker gewesen sein, Kabelsalat wohin das Auge blickt. Bei der folgenden Funktionskontrolle musste ich dem Werk aber eingestehen, das tatsächlich alles elektrische funktionierte. Noch nicht einmal ein durchgebranntes Birnchen war zu beanstanden.

 
 

 

 

Ein mit Beulen und mattem Chrom geschundener Chromring der Lampe, ein ebenso matter Chromring des Tachos, aber immerhin erst Originale 17.218 km Laufleistung.

 
 
 

Offensichtlich hatte einer der Vorbesitzer leichte bis mittelschwere Probleme mit Rechtskurven oder mit dem Aufbocken der ETS. Insgesamt vier Einschläge der rechten Lenkerhälfte sind im Tank zu verzeichnen, ebenso war das Fußrasten-Tragrohr rechts ein wenig verzogen, aber nichts, was sich nicht wieder grade biegen ließe.

 
 


 

 

 

Auch hier hilft kein Clearasil gegen Pickel mehr, blühende Speichen, blühende Schutzblechstrebe und eine blühende Gabel. Ostchrom nach fast drei Jahrzehnten.

 
 
 

Der Motor lief. Und wie er lief.

Er zog Falschluft, wo es nur Falsch-luft zu ziehen gab, er sprotzte und hustete, er qualmte die Straße zu,

als ob die Antiterroreinheit mit Nebelbomben trainieren würde, er pustete die Abgase nicht nur aus dem Ende, sondern auch aus dem Anfang des Auspuffes, aber er lief.

Später stellte sich heraus, das die Krümmerüberwurfmutter am Zylinder gar keinen Halt finden konnte, weil das Gewinde nur noch in Fragmenten vorhanden war.